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Schlacht bei Sempach...

Mittags zwölf Uhr, als die Sonne hoch stand und heiss herniederbrannte, ordneten sich die beiden Heere zur Schlacht. Wiederwillig und mürrisch stiegen die Oesterreichischen Ritter von den Pferden und Übergaben sie der Obhut der Knappen. Heimlich lachten die Knechte über ihre Herren, weil diese am Boden so unbeholfen waren, in ihren Eisenrüstungen sich kaum recht bewegen konnten und breitspurig davonwatschelten wie Enten auf trockenem Land. Am meisten behindert waren die Ritter wegen der langen ledernen Schnäbel an ihren Schuhen, so dass mancher buchstäblich über seine eigenen Füsse stolperte und jämmerlich am Boden liegen blieb, bis ein Knappe herbeieilte und den Hilflosen wieder auf die Beine stellte. Da wurde es einigen Rittern zu dumm. Sie zückten ihren Dolch und schnitten sich kurzweg die ledernen Schnäbel von den Schuhen. Die Zeit drängte, und die Ritter hatten sich zu beeilen, weil sie in den vordersten Reihen kämpfen wollten. Deshalb mussten sie ihre Plätze einnehmen, bevor sich die hinteren Glieder der Fusssoldaten schlossen. Zu beiden Seiten der Ritter stellten sich die Fusssoldaten und die Schätzen auf. Die Krieger waren nebst Schwert und Dolch bewaffnet mit dem drei Meter langen Spiess. Zu drei Vierecken geordnet, Mann an Mann dicht nebeneinander, bildeten sie eine eiserne Mauer. Nochmals drangen die engsten Freunde in den Herzog ein:" Hochedelster Herr, wir bitten Euch, begebt Euch nach Sursee in Sicherheit! Ihr wisst, die Bauern würden Euch nicht schonen." Er aber erwiderte:"Das verhüte Gott, dass ich euch sterben lasse. Ich will mit euch Gutes und Böses teilen und bei meinen Kriegern sterben." Dann sprengte er den Hang hinauf, um von erhöhtem Platze aus das Kampffeld überblicken zu können.

Der Kampf begann. Unter schauerlichem Geheul der Harsthürner brachen die Eidgenossen aus dem Wald hervor. In einer tiefen Sturmkolonne, die vorn zugespitzt war, rannten sie an die Speermauer ihres Feindes heran. An der Spitze flatterte das blau-weisse Banner von Luzern, gefolgt vom blutroten Tuch der Schwyzer. Aber auch Unterwalden, Urner, Zuger, Glarner und Entlebucher stürmten mit. Die ersten Schüsse krachten, Pfeile schwirrten und krachend fuhren die Heere aufeinander. O Schreck, wie eine Sturmwoge sich an der starren Mauer aufbäumt und sich schäumend überschlägt, prallte der todesmutige Angriff der Eidgenossen an der Lanzenmauer ab! Von neuem drangen sie an die Speere heran, schwangen die Streitäxte und schlugen die Lanzenschäfte der Öesterreicher zu Scheitholz. In den hinteren Reihen der Feinde riefen die Knechte:" Stecht die Buben!", und boten neue Speere nach vorn, die den Luzernern in die ungeschützten Leiber fuhren. Viele trugen keinen Harnisch, sondern hatten sich zum Schutze bloss Prügel und Brettchen an die Arme gebunden. Ein Luzerner nach dem andern stürzte ins Gras. Das stolze Banner von Luzern wankte und fiel. Sechzig Männer lagen in ihrem Blute. Der Luzerner Führer Petermann von Gundoldingen sank sterbend zu Boden, und drohend begann sich jetzt die Speermauer zu bewegen. Die beiden Flügel schoben sich vor, um die Eidgenossen von der Seite her anzufallen und wie in einer Zange zu zermalmen. In dieser höchsten Not erscholl auf eidgenössischer Seite der Befehl:" Die Truppen ziehen sich geordnet und kämpfend zurück ins Meierholz!" Behutsam begannen sich die Eidgenossen vom Feinde abzulösen. Schritt für Schritt bewegten sie sich rückwärts und schlugen jeden ausbrechenden Öesterreicher, der in ihre Reihen einfallen wollte, blutig zurück.

Die Öesterreicher in ihren eisernen Helmen litten arg unter der sengenden Hitze des wolkenlosen Nachmittags. Einige Ritter waren ohnmächtig zusammengesunken und hatten in den Reihen gefährliche Lücken hinterlassen. So kam auch den Öesterreichern eine Schlachtpause gelegen, und sie liessen ihren Feind kampflos ins Meierholz abziehen.

Während die Eidgenossen in den kühlen Schatten der Bäume lagerten, die Verwundeten pflegten und schadhafte Waffen auswechselten, versammelten sich ihre Führer zum Kriegsrat. Der höchste unter ihnen richtete ernste Worte an seine Kameraden: " Unsere besten Männer sind gefallen, und noch ist es uns nicht gelungen, in die Reihen des Feindes einzubrechen. Mit den kurzen Halbarten kommen wir nicht an die Öesterreicher heran. Wir werden aufgespiesst und sind verloren. Wir brauchen eine Gewaltwaffe, wuchtig und schwer, und den kühlen Mut der Tapfersten unter uns. Auch müssen wir die Schlachtordnung ändern. Wir greifen im Viereck an. Im breiten Schlachthaufen wird uns der Feind nicht so leicht umzingeln. Nennt mir einen Mann, den wir als Führer in die vorderste Reihe stellen!" Alle Blicke richteten sich auf einen jungen, starken Mann, der stramm unter ihnen stand, aber noch kein Wort gesprochen hatte. Es war der Nidwaldner Truppenführer Arnold von Winkelried. Nun wurde er unruhig. Zuerst zögernd, dann entschlossen, trat er vor und sprach:" Gebt mir einen Arm voll Speere, ich will sie zur Gewaltswaffe zusammenbinden und euch eine Gasse in die Feinde schlagen !" Nach diesen knappen Worten wandte er sich um und begab sich zu seinen Nidwaldnern zurück. Er rief sie alle zu sich und bat sie mit bitterernstem Tone: "Meine Freunde, wenn ihr vom Sieg nach Hause kommt, sorget für meine Frau und meine lieben Kinder !"

Da wussten die Männer, dass sich Winkelried in die erste Reihe stellen wollte. Hornsignale hallten durch den Wald. Sogleich rückten die Heerhaufen zum Waldrand vor. Die Männer warfen sich auf die Knie und sprachen in dumpfem Chore das Schlachtgebet. Als dies die Öesterreicher hörten, spotteten sie laut: " Seht die Feiglinge, sie bitten uns auf den Knien um Gnade !" Die Eidgenossen aber sprangen auf und stürzten sich kampfestoll in die zweite Schlacht. In der vordersten Reihe drängte sich Winkelried, gefolgt von seinen kräftigsten Männern, dicht an die Öesterreicher heran.Jetzt hob er seinen Speerbund waagrecht in die Höhe, und nach vorne stürzend, schleuderte er ihn gewaltig auf die vorgestreckten Speere nieder. Mit Löwenkraft drückte er die Lanzenschäfte zu Boden, so dass sich die Spitzen in die Erde Bohrten. Zehn Öesterreicher waren für kurze Zeit wehrlos. Ein Aufschrei aus hundert Kehlen, und schon rannten die Kriegsgefährten über den gefallenen Helden hinweg in die entstandene Lücke hinein. Mitten in den überrumpelten Rittern begannen jetzt Äxte und Morgensterne furchtbar zu wüten. Es klirrten die Waffen und tosten die Schläge. Immer neue Reihen der stolzen Ritter wurden aufgerissen, bis die ganze österreichische Lanzenmauer zu wanken begann. In diesem wilden Gedränge schlugen die Eidgenossen verbissen um sich und verbreiteten Schrecken und Todesnot in den österreichischen Scharen. Wohl vertauschen die Ritter den langen Spiess mit Schwert und Dolch und kämpften mutig weiter. Doch die mörderische Hitze des Schlachtgetümmels ermattete die schwergepanzerten Feinde, so dass mancher ohnmächtig niedersank. Erbarmungslos schlugen sich die verwegensten Waldstätter bis in die hintersten Reihen durch und stiessen mit markdurchdringendem Gebrüll bis zu den österreichischen Führern vor, die hoch zu Ross ihre letzten verzweifelten Befehle durch die hohle Hand schrien. Auch sie wurden nicht geschont und unsanft von ihren Pferden heruntergeholt. Es fiel der Spötter Hans von Ochsenstein. Es sanken die Herren vom Tirol, es stürzte das Banner der Grafen von Habsburg, und auch das Hauptbanner von Öesterreich wankte und sank. Ulrich von Aarburg raffte es vom Boden auf, nach Augenblicken stürzte es wieder,weil auch er unter den eidgenössischen Streichen gefallen war. In dieser grössten Not sprang Herzog Leopold vom Pferde. Nochmals riefen ihm seine Getreuen zu, er sollte Gott nicht versuchen und sich zurückziehen an einen sicheren Ort. Er aber antwortete: " Das will Gott nicht. So mancher Biedermann ist heute für mich in den Tod gegangen. Ich will nicht weichen von ihnen und lieber ehrlich sterben als unehrlich leben." Mit diesen Worten ergriff er selber das blutgetränkte Banner und erhob es über die Helme der Streiter. Ein eidgenössischer Trupp wich jetzt nach der Seite aus und griff die Wagenburg an. Hier fanden sie über hundert Karren, vollbeladen mit Lebensmitteln, Zelten und jenen Fässern, welche die "Galgenstricke"(Stricke für das erbeutete Vieh) enthielten. Die Wächter, von diesem Ansturm überrascht, hieben mit ihren Dolchen die Stricke, an denen die Pferde angebunden waren, entzwei, schwangen sich in die Sättel und suchten das Weite.

Abends acht Uhr, als die Sonne hinter den Hügeln versank, fiel auch Herzog Leopold, aus vielen Wunden blutend, zu Boden. Da warf sich Martin Malterer, der Bannerträger von Freiburg, auf den Leib seines geliebten Herrn, um ihn vor den letzten Schlägen zu schützen. Aber der Held erhob sich nicht mehr. Da ahnten die Seinen den Tod ihres glorreichen Führers und flohen mit grossem Geschrei. die Ritter riefen verzweifelt:" Die Hengste her !" Aber dies half wenig. Die Knechte, die sie bis zum Ende der Schlacht hätten hüten sollen, waren auf ihnen geflüchtet. als die Abenddämmerung hereingebrochen war, knieten die Eidgenossen auf der Walstatt nieder. 1500 Öesterreicher, darunter 400 edle Ritter, dazu 200 Eidgenossen, die meisten tot oder schwer verwundet, bedeckten sie. Die Sieger dankten Gott mit dem Kyrie eleison (Herr, erbarme Dich unser!).Noch drei Tage blieben sie auf dem Schlachtfelde, dann zogen sie jubelnd in die Heimat zurück. Ludwig Feer, der tapferste Luzerner, erhielt als Geschenk das vergoldete Panzerhemd des Herzogs. Die Eidgenossen brachten ihre Toten nach Luzern, wo sie ihre treuen Kameraden ehrfürchtig begruben. Herzog Leopold wurde nach Königsfelden geführt und mit sechzig Rittern beigesetzt. Die Öesterreicher fanden ihre Totenruhe auf dem Schlachtfeld.